Nachhaltigkeitsstrategien der Bundesländer

Neben der Bundesregierung verfügt die Mehrzahl der Bundesländer über eigene Nachhaltigkeitsstrategien. Einige Landesregierungen haben diese bereits an den globalen Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030 ausgerichtet; in anderen Bundesländern gibt es Bestrebungen zur Anpassung oder Erarbeitung einer länderspezifischen Nachhaltigkeitsstrategie.

Seit 2007 existiert eine Nachhaltigkeitsstrategie für das Bundesland Baden-Württemberg, welche 2011 neu aufgelegt wurde. Der Indikatorenbericht - Statusindikatoren einer nachhaltigen Entwicklung in Baden-Württemberg erscheint seit 2014. Für die vierte Auflage 2022 wurde der Bericht erstmals ausschließlich im interaktiven Online-Format erstellt. Er wurde von der Geschäftsstelle Nachhaltigkeitsstrategie im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg herausgegeben. 52 Statusindikatoren geben einen Überblick über eine nachhaltige Entwicklung mit Daten, Hintergründen und Bewertung. 6 Indikatoren geben Einblicke in die persönliche Einstellung und Empfindungen der Menschen in Baden-Württemberg. Um die Vergleichbarkeit der Indikatoren auf Bundes- und Landesebene weiter zu verbessern, wurde das Indikatorenset soweit wie möglich mit dem bundesweiten Indikatorensatz der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie und den Indikatoren des AK Nachhaltige Entwicklung der Statistischen Landesämter harmonisiert. Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg hat bei der Erstellung der Indikatorenberichte mitgewirkt. Federführend ist die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg.

Der aktuelle Stand der Bayerischen Nachhaltigkeitsstrategie wurde im März 2022 vom Ministerrat beschlossen. Sie ist das Ergebnis einer intensiven Zusammenarbeit aller Ressorts und der Staatskanzlei. Mit der Nachhaltigkeitsstrategie legt die Staatsregierung dar, welche konkreten Ziele sie sich steckt und welche Maßnahmen sie ergreift, um diese zu erreichen. Im August 2021 veröffentlichte das Bayerische Landesamt für Statistik zudem den ersten Indikatorenbericht zur nachhaltigen Entwicklung. Außerdem veröffentlicht das Bayerische Landesamt für Umwelt Umweltindikatoren für Bayern.

Die Bewertung nachhaltiger Entwicklung in Berlin beruht auf der Basis eines Indikatorensatzes bestehend aus 40 sogenannten Kernindikatoren, die jeweils einem der 17 globalen Nachhaltigkeitsziele zugeordnet sind. Der Kernindikatorenbericht zur nachhaltigen Entwicklung Berlins wurde zuletzt 2021 gemeinsam von der Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz in Zusammenarbeit mit dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg aktualisiert. Aktuell wird in Berlin eine landesweite Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt, die auf der Broschüre "Die 17 Nachhaltigkeitsziele in Berlin" aufbaut.

Die Landesregierung Brandenburg hatte 2010 beschlossen, eine Strategie für eine Nachhaltige Entwicklung des Landes Brandenburg aufzustellen. Im April 2014 wurde die Nachhaltigkeitsstrategie für Brandenburg als Ergebnis verschiedener Dialogphasen verabschiedet, welche 2019 fortgeschrieben wurde. Im Juli 2017 wurde ein erster Bericht mit 49 Nachhaltigkeitsindikatoren für Brandenburg vorgelegt. Diese Bestandsaufnahme zu möglichen Nachhaltigkeitsindikatoren versteht sich als Diskussionsgrundlage zur Umsetzung und Fortschreibung der Landesnachhaltigkeitsstrategie. Sie wurde im Auftrag des brandenburgischen Ministeriums für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft (MLUL) vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg erarbeitet.

Bremen erstellt seit 2021 alle zwei Jahre einen Bericht über den Stand der Umsetzung der Sustainable Development Goals (SDGs). Dieser Bericht, sowie die künftig daraus abgeleiteten Ziele, ersetzen die Nachhaltigkeitsstrategie. Die Koordinierung obliegt der Senatskanzlei Bremen. Die Ziele der Agenda 2030 und die 17 SDG Goals werden dezentral in den einzelnen Senatsressorts verfolgt. Im Bremer SDG-Bericht werden Indikatoren zu allen 17 UN-Nachhaltigkeitszielen und den zugehörigen Unterzielen erhoben.

Der Hamburger Senat hat im Juli 2017 die Drucksache "Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen in Hamburg" beschlossen. Neben einer Bestandsaufnahme - wo stimmt die Senatspolitik bereits mit den Zielsetzungen der Agenda 2030 überein - werden die Themen benannt, an denen in den nächsten Jahren konkret weitergearbeitet werden soll. Unter Beteiligung des Statistikamtes Nord soll hierzu ein zweijährliches Berichtssystem entwickelt werden. Federführend ist die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft.

2008 startete die Hessische Landesregierung die "Nachhaltigkeitsstrategie Hessen", für die Ziele und Indikatoren in einem partizipativen Prozess entwickelt wurden. Im Rahmen eines Weiterentwicklungsprozesses in den Jahren 2017 und 2018 wurden die Indikatoren im Hinblick auf die im Jahr 2015 beschlossene "Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung" der Vereinten Nationen grundlegend überarbeitet und neue Zielwerte für 2030 festgelegt. In den zwischen 2010 und 2016 im zweijährigen Rhythmus erschienen Fortschrittsberichten sind die Ziele und Indikatoren nach den Bereichen "Ökonomie", "Ökologie" und "Soziales" gegliedert; die in den Jahren 2020 und 2022 erschienenen Fortschrittsberichte (13 Ziel- und 42 Reportingindikatoren) sind nach den 17 Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals, SDG) der Agenda 2030 strukturiert.
Mit einer Ergänzungsausgabe des Fortschrittsberichts 2022 wurden im Jahr 2023 die 17 neuen Indikatoren in den Blick genommen. Für den Fortschrittsbericht 2024 ist die integrierte Darstellung der 17 neuen und 68 bisherigen Indikatoren geplant.

Für Mecklenburg-Vorpommern existiert bislang keine Nachhaltigkeitsstrategie. Laut Koalitionsvereinbarung 2016 bis 2021 ist beabsichtigt, eine Strategie für eine nachhaltige Entwicklung des Landes Mecklenburg-Vorpommern in Abstimmung zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie des Bundes zu erarbeiten.

Im Mai 2017 hat die Landesregierung die neue, indikatorengestützte Nachhaltigkeitsstrategie für Niedersachsen beschlossen. Im September 2020 wurde der erste Fortschrittsbericht für die "Niedersächsische Nachhaltigkeitsstrategie" vom Landesamt für Statistik im Auftrag der Landesregierung erstellt. Er konzentriert sich auf die Fortschreibung und Aktualisierung der Nachhaltigkeitsindikatoren und vor allem auf eine noch stärkere und systematische Integration der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs) in das Indikatorenset des Landes. Der Fortschrittsbericht folgt im Aufbau der Nachhaltigkeitsstrategie und in der Auswahl der Indikatoren inhaltlich der Agenda 2030 und den zugehörigen Nachhaltigkeitszielen.

Die Landesregierung hat 2016 die erste Nachhaltigkeitsstrategie für Nordrhein-Westfalen verabschiedet, welche 2020 aktualisiert wurde. Der erste Nachhaltigkeitsbericht wurde 2016 im Auftrag der Landesregierung Nordrhein-Westfalen durch den Geschäftsbereich Statistik bei IT.NRW (Information und Technik Nordrhein-Westfalen) erstellt und 2020 auf den aktuellsten Stand gebracht. Er umfasst knapp 70 Indikatoren. Aktuelle Daten zu den Nachhaltigkeitsindikatoren sind online in einem Internet-Portal verfügbar.

Bereits seit 2001 existiert eine Nachhaltigkeitsstrategie für Rheinland-Pfalz. Diese wurde zunächst alle zwei Jahre überarbeitet. Ein erster indikatorengestützter Bericht wurde 2005 veröffentlicht. Seit 2009 erfolgt die Überarbeitung der Nachhaltigkeitsstrategie in einem vierjährigen Turnus. Der Daten- beziehungsweise Indikatorenbericht (zuletzt 2023 mit 27 Indikatoren) erscheint jedoch weiterhin alle zwei Jahre. Das Statistische Landesamt hat 2011 die Erstellung des Indikatorenberichts übernommen.

Die saarländische Nachhaltigkeitsstrategie "Gemeinsam Verantwortung tragen für heute und morgen" wurde nach zweijähriger Erarbeitung unter Durchführung eines gesellschaftlichen Dialoges auf Augenhöhe im Dezember 2016 verabschiedet. In sechs Handlungsfeldern mit 39 Indikatoren richtet die Nachhaltigkeitsstrategie ihr Augenmerk auf zentrale nachhaltige Themen, die für das Saarland aus Landesperspektive von Bedeutung sind, aber auch im globalen Kontext eine wichtige Rolle spielen. Als eines der ersten Bundesländer schaffte es das Saarland, mit der Strategie aufzuzeigen, welche globalen Nachhaltigkeitsziele, die im Rahmen der Agenda 2030 verabschiedet wurden, für das Land besonders relevant sind und wo noch Akzente gesetzt werden müssen.

Von 2020 bis 2022 wurde die Nachhaltigkeitsstrategie unter Federführung des Ministeriums für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz fortgeschrieben. Der Fortschreibungsprozess war ein offener Beteiligungsprozess, der die Ideen und Projektansätze zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie in den Fokus gestellt hat. Dazu waren alle interessierten und engagierten Bürgerinnen und Bürger und gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteure unter dem Motto "Wir gestalten gemeinsam. Saarland nachhaltig" eingeladen, sich miteinander zu vernetzen, in Dialog zu treten und den Fortschreibungsprozess aktiv mitzugestalten. In diesem Kontext wurden von einem Expertinnen- und Expertenteam Nachhaltigkeit aus 80 eingereichten Vorschlägen zehn Leuchtturmprojekte für ein nachhaltigeres Saarland identifiziert und der Weg zur erfolgreichen Umsetzung gemeinsam angegangen. Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Nachhaltigkeit ist Grundlage und Aufgabe der saarländischen Nachhaltigkeitspolitik - zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern.

Die Nachhaltigkeitsstrategie beschreibt Schwerpunktthemen, zentrale Ziele und Herausforderungen im Hinblick auf die Nachhaltige Entwicklung des Freistaates Sachsen. Mit der Erstellung der Nachhaltigkeitsstrategie 2018 wurden die sächsischen Handlungsfelder mit den Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030 verknüpft.Diese Handlungsfelder werden im Nachhaltigkeitsbericht aufgegriffen und unter anderem durch Indikatorensets messbar gemacht. Seit Ende 2022 steht der Nachhaltigkeitsbericht Sachsen 2022 zur Verfügung. Der Nachhaltigkeitsbericht wird einmal in der Legislaturperiode erstellt.

Unter Federführung des Ministeriums für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt und in Zusammenarbeit mit anderen beteiligten Ressorts wurde 2022 eine Neufassung der Nachhaltigkeitsstrategie des Landes Sachsen-Anhalt erarbeitet. Die Strategie orientiert sich an den 17 Globalen Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030 der Vereinten Nationen und zeigt den aktuellen Stand, die vorhandenen Rahmenbedingungen in Sachsen-Anhalt sowie die umzusetzenden Ziele und zugehörigen Maßnahmen zur Zielerreichung bis zum Jahr 2030. Die Strategie beinhaltet einen aktualisierten Indikatorenbericht, der die Nachhaltigkeitsziele Sachsen-Anhalts abbildet und zeitlich überholte Zielsetzungen mit Perspektive auf das Jahr 2030 neu fasst.

Zentraler Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie ist die Bildung. Sie wird als einer der Schlüsselfaktoren für ein nachhaltiges Leben in Sachsen-Anhalt angesehen. Durch die Zuordnung eines eigenständigen Unterziels, welches die Herausbildung von Gestaltungskompetenz, Partizipation und kritischem Denken fördern soll, wird ein wichtiger Beitrag zur Realisierung der Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 geleistet. Die Nachhaltigkeitsstrategie und weitere Informationen zur Nachhaltigen Entwicklung in Sachsen-Anhalt sind hier zu finden.

Die Landesregierung Schleswig-Holstein hat im Dezember 2018 insgesamt 75 Indikatoren als Grundlage für eine Bestandsaufnahme zur nachhaltigen Entwicklung in Schleswig-Holstein festgelegt, anhand derer zukünftig die nachhaltige Entwicklung des Landes bis 2030 gemessen werden soll: 44 Ziel-Indikatoren, 27 Reporting-Indikatoren und 4 Orientierungsindikatoren. Im Juni 2020 erschien auf dieser Basis der "1. Bericht Schleswig-Holsteins zu den UN-Nachhaltigkeitszielen". Der Bericht als PDF ist hier zu finden. Eine Aktualisierung des Berichts soll alle fünf Jahre erfolgen. Der Link zur Schwerpunktseite ist hier zu finden.

Die Landesregierung hat 2011 eine Nachhaltigkeitsstrategie mit entsprechenden Indikatoren für Thüringen beschlossen. 2012 wurde ein erster Indikatorenbericht mit 27 Indikatoren veröffentlicht. Mit der Verabschiedung der Agenda 2030 war eine Anpassung der Nachhaltigkeitsstrategie notwendig. Die Strategie wurde 2018 mit fünf Schwerpunktfeldern und Bezug zu den Sustainable Development Goals verabschiedet. Ebenfalls im Jahr 2018 hat jedes Ressort einen eigenen Nachhaltigkeitsplan aufgestellt, der das nachhaltige Handel im jeweiligen Politikfeld untersetzt. In 2019 wurde der Thüringer Indikatorensatz zur Nachhaltigen Entwicklung grundlegend überarbeitet und 2020 der dritte Indikatorenbericht herausgegeben. Die Erarbeitung der Vorhaben läuft über eine Staatssekretärs-Arbeitsgruppe "Nachhaltige Entwicklung" mit der dazugehörigen Interministeriellen Arbeitsgruppe. Der Thüringer Nachhaltigkeitsbeirat ist bei den Vorhaben ebenfalls einbezogen. Die seit 2021 geschaltete Internetseite gibt einen guten Überblick zu den Nachhaltigkeitsaktivitäten in Thüringen.